Worauf es in der Praxis ankommt
Beim Spielfilm denkt man bei Regie an Schauspielerführung. In der Unternehmensproduktion gibt es keine Schauspieler. Vor der Kamera stehen ein Bauleiter, eine Produktentwicklerin, ein Meister. Menschen, die ihre Arbeit sehr gut können und das Reden darüber selten geübt haben. Genau dort liegt die Hauptarbeit der Regie.
Was Regie am Drehtag tatsächlich tut
- Vertrauen herstellen, bevor die Kamera läuft. Die ersten Minuten eines Interviews sind fast nie brauchbar. Wer sie überspringt, bekommt den ganzen Rest auch nicht.
- Fragen so stellen, dass ganze Sätze entstehen. Die Frage ist im fertigen Film nicht zu hören, also muss die Antwort für sich stehen. „Ja, genau” ist eine korrekte Antwort und ein unbrauchbarer O-Ton.
- Den Schnitt mitdenken. Anschlüsse, Zwischenbilder, Reserve. Was am Set nicht gedreht wird, fehlt im Schnitt endgültig.
- Streichen, wenn die Zeit knapp wird. Das ist die einzige wirklich schwere Entscheidung des Tages: Welche zwei von acht geplanten Einstellungen entfallen, ohne dass der Film seine Aussage verliert.
Abgrenzung
Regie ist nicht Kamera und nicht Produktionsleitung. In kleinen Teams übernimmt eine Person mehrere dieser Rollen. Das verkürzt Wege, hat aber einen Preis: Niemand schaut dann ausschließlich auf den Inhalt. Ab einer gewissen Projektgröße lohnt sich die Trennung.
Was Auftraggeber dazu beitragen können
Je weniger Publikum am Set steht, desto besser die O-Töne. Wenn die Geschäftsführung beim Interview zuhört, reden Mitarbeitende anders: höflicher, allgemeiner, unbrauchbarer. Inhaltliche Rückmeldung ist willkommen, aber zwischen den Aufnahmen und nicht vor der Person, die gerade gesprochen hat.