Worauf es in der Praxis ankommt
Ein Storyboard ist kein Kunstwerk und muss nicht schön sein. Es muss nur zwei Dinge leisten: zeigen, was im Bild ist, und zeigen, in welcher Reihenfolge. Strichmännchen genügen dafür vollkommen.
Der eigentliche Nutzen liegt nicht im Zeichnen, sondern im Abstimmen. Solange ein Film nur als Text existiert, stellen sich alle Beteiligten etwas anderes darunter vor. Sie merken es erst beim ersten Schnitt. Ein Storyboard zwingt diese Vorstellungen aus den Köpfen aufs Papier, wo man sie vergleichen kann. Eine Diskussion über eine Skizze kostet zehn Minuten. Dieselbe Diskussion nach dem Drehtag kostet einen zweiten Drehtag.
Wann sich der Aufwand lohnt
Bei Animation und Motion Design ist ein Storyboard nicht optional. Dort existiert kein Material, das man im Schnitt noch anders kombinieren könnte. Jede Einstellung wird gebaut, und was nicht geplant ist, wird auch nicht gebaut.
Bei Realdreh auf einer Baustelle oder in einer Produktion ist es umgekehrt: Ein zu enges Storyboard schadet mehr, als es nützt. Die interessantesten Momente eines Drehtags sind fast nie die geplanten. Hier arbeiten wir deshalb mit einer Shotlist. Sie listet die Einstellungen, die wir sicher brauchen, und lässt bewusst Raum für das, was sich vor Ort ergibt.
Verwechslung mit dem Moodboard
Beide werden im Briefing oft gleichgesetzt, meinen aber Verschiedenes. Ein Moodboard sammelt Referenzen und klärt die Anmutung: Farbigkeit, Lichtstimmung, Bildsprache. Ein Storyboard klärt die Abfolge. Man braucht in der Regel beides, aber in dieser Reihenfolge: erst die Anmutung, dann die Dramaturgie.