Worauf es in der Praxis ankommt
Konzeption wird häufig mit „sich etwas ausdenken” verwechselt. Der größere Teil der Arbeit ist das Gegenteil: entscheiden und weglassen. Nach einem guten Konzeptgespräch steht nicht mehr, sondern weniger auf der Liste als vorher.
Ein Konzept ist ein Dokument, kein Gespräch. Solange Absprachen nur mündlich existieren, bleibt jede Formulierung dehnbar. Dehnbare Formulierungen werden am Drehtag von jedem anders ausgelegt.
Was darin geklärt sein muss
- Zielgruppe und gewünschte Reaktion. Wer sieht den Film, in welcher Situation, und was soll diese Person danach tun?
- Die Kernaussage in einem Satz. Wenn dafür zwei Sätze nötig sind, sind es zwei Filme.
- Die Erzählform: O-Ton-geführt, Sprechertext, stille Beobachtung oder inszeniert. Diese Entscheidung bestimmt den halben Drehplan.
- Motive und Personen, mindestens grob. Dazu die Frage, ob die gewünschten Personen überhaupt vor die Kamera wollen.
- Länge, Fassungen und Ausspielformate. Eine Social-Fassung im Hochformat entsteht nicht nachträglich aus dem Nichts, sie muss beim Dreh mitgedacht sein.
- Was nicht vorkommt. Der nützlichste Absatz eines jeden Konzepts.
Der teuerste Fehler liegt bei der Freigabe
Häufig gibt die Marketingabteilung das Konzept frei, die Geschäftsführung sieht den Film aber erst im Rohschnitt. Was dann an Rückmeldung kommt, betrifft regelmäßig nicht den Schnitt, sondern die Grundanlage. Und die lässt sich im Schnitt nicht mehr ändern. Die Regel dagegen ist einfach: Wer den fertigen Film freigibt, gibt auch das Konzept frei. Schriftlich, vor dem ersten Drehtag.
Abgrenzung
Das Konzept klärt das Was und Warum. Eine Shotlist oder ein Drehbuch klären das Wie, ein Storyboard die Abfolge. In dieser Reihenfolge. Wer mit der Bildidee anfängt, baut Bilder ohne Auftrag.