Worauf es in der Praxis ankommt
Wenn der letzte Drehtag vorbei ist, ist bei den meisten Projekten weniger als die Hälfte der Arbeit getan. Postproduktion ist der Oberbegriff für alles, was danach kommt. Und die Erklärung dafür, warum zwischen Dreh und fertigem Film Wochen liegen können, obwohl doch „alles im Kasten” ist.
Was darunterfällt
- Sichtung und Sicherung des Materials: Kopien auf getrennte Datenträger, Sortierung, bei Interviews eine Abschrift. Unsichtbar im Ergebnis, Grundlage für alles Weitere.
- Schnitt: Auswahl, Reihenfolge, Länge.
- Ton: Sprachverständlichkeit, Störgeräusche, Musik, eine einheitliche Lautheit über alle Fassungen. Der Schritt, dessen Fehlen Zuschauer am schnellsten bemerken, ohne ihn benennen zu können.
- Color Grading: die Farbigkeit des Films.
- Motion Design: Bauchbinden, Logo, erklärende Grafiken.
- Ausspielung: die Endfassungen in allen vereinbarten Formaten.
Nicht dazu gehören Konzept, Drehbuch und Dreh. Wer „Postproduktion” im Angebot liest, sieht also eine Position, hinter der sechs Gewerke stecken.
Warum die Reihenfolge feststeht
Diese Schritte laufen nicht parallel, sondern nacheinander. Ton, Farbe und Grafik setzen auf einer Bildfassung auf, die nicht mehr wandert. Erst wenn diese freigegeben ist, beginnen sie. Eine einzige nachträglich verschobene Einstellung zieht alle drei erneut nach sich. Deshalb ist die Freigabe der Bildfassung der wichtigste Termin eines Projekts, nicht die Abnahme am Ende.
Was Sie vorher klären sollten
Zwei Dinge: wie viele Korrekturschleifen vereinbart sind und wer freigibt. Rückmeldungen aus fünf Abteilungen, die über zwei Wochen einzeln eintreffen und sich teilweise widersprechen, sind der häufigste Grund für gerissene Termine. Gesammeltes Feedback mit Zeitangabe spart regelmäßig eine ganze Schleife. Also „bei 1:12 der falsche Firmenname” statt „die Stelle in der Mitte”.