Worauf es in der Praxis ankommt
Der Unterschied zum Imagefilm ist kein gradueller. Ein Imagefilm darf Zeit lassen, weil ihn jemand freiwillig anklickt. Ein Werbefilm läuft ungefragt, in einem Umfeld, in dem er stört: vor einem Video, zwischen zwei Beiträgen, auf einer Messewand im Vorbeigehen. Daraus folgt alles Weitere.
Die Platzierung entscheidet über den Film, nicht umgekehrt
Bevor irgendjemand über Bildsprache spricht, muss feststehen, wo der Film läuft. Ein Platz vor Online-Videos gibt eine harte Länge vor und die Erfahrung, dass nach wenigen Sekunden weggeklickt werden darf. Ein Bildschirm im Foyer läuft stumm und in Schleife. Ein Kinovorspann hat ein sitzendes Publikum und braucht das genaue Gegenteil einer Hook.
Wir haben deshalb die unbequeme Angewohnheit, im ersten Gespräch nach dem Mediaplan zu fragen, auch wenn er noch nicht existiert. Ein Werbefilm ohne Platzierung ist eine Bestellung ohne Maß.
Was regelmäßig unterschätzt wird
- Nutzungsrechte haben eine Laufzeit. Musik, Stimmen, Modelle, gekaufte Aufnahmen. All das wird für ein Gebiet und einen Zeitraum lizenziert. Wenn der Film zwei Jahre später erneut geschaltet werden soll, ist das oft der teuerste Punkt der ganzen Produktion.
- Wer im Bild ist, muss zugestimmt haben. Schriftlich, und zwar in dem Wissen, dass es Werbung wird. Eine Einwilligung für den Imagefilm deckt eine Werbeschaltung nicht ab.
- Eine Botschaft, nicht drei. Ein Werbefilm, der Qualität, Nachhaltigkeit und Familienbetrieb gleichzeitig unterbringen will, transportiert keins davon.
- Kurzfassungen entstehen im Schnitt, nicht danach. Wenn von Anfang an feststeht, dass es eine kurze Variante geben soll, wird die lange so gebaut, dass sie sich kürzen lässt.
Und schließlich die Rechnung, die selten offen gemacht wird: Das Geld für die Schaltung übersteigt in aller Regel das Geld für die Produktion. Ein sehr guter Film auf einem schlechten Platz wird nicht gesehen.